Mit 15 hinter dem Bankschalter statt mit 25 im ersten Praktikum. Das geht. Die dreijährige Lehre zum Bankkaufmann führt an der Uni vorbei – und zahlt schon während der Ausbildung erstaunlich anständig. Was drin ist, was die Ausbildungsordnung verlangt und warum sogar Maturant:innen diesen Weg wählen: hier die Zahlen, ohne Zuckerguss.
Drei Jahre dauert die Lehre zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau. Formal brauchen Sie dafür nur eines: die abgeschlossene neunjährige Schulpflicht. Mehr nicht, um sich zu bewerben. Seit 1. Mai 2020 gilt eine neue Ausbildungsordnung, die den alten Lehrberuf abgelöst hat – wer heute anfängt, lernt nach diesem Stand.
Der Großteil spielt sich im Betrieb ab, rund 80 Prozent der Zeit. Die restlichen 20 Prozent verbringen Sie in der Berufsschule. Aussuchen können Sie sie sich nicht. Sie werden zugewiesen – in Wien etwa der Berufsschule für Industrie, Finanzen und Transport in der Längenfeldgasse. Am Schluss wartet die Lehrabschlussprüfung, ein praktischer und ein theoretischer Teil, abgewickelt über die Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammer.
Und was macht man da den ganzen Tag? Mehr als Geld zählen, so viel steht fest. Bankkaufleute führen Konten, wickeln den Zahlungsverkehr ab, sitzen mit Kund:innen bei Kreditfragen zusammen und erklären Anlagemöglichkeiten. Ein Teil davon passiert am Schalter, ein anderer im Backoffice. Buchführung und Abrechnung laufen über EDV-Systeme. Reden können und trotzdem penibel mit Zahlen umgehen – beides zugleich. Wer nur das eine mag, wird nicht glücklich.
Das Lehrlingseinkommen: konkrete Zahlen
Jetzt zum Geld. Anders als in vielen anderen Lehrberufen ist das in der Bank vergleichsweise ordentlich. Laut Kollektivvertrag für die Angestellten der Banken und Bankiers gelten ab 1. April 2025 folgende monatliche Lehrlingseinkommen:
- 1. Lehrjahr: 1.133,21 Euro
- 2. Lehrjahr: 1.358,81 Euro
- 3. Lehrjahr: 1.585,78 Euro
Brutto, 14-mal im Jahr. Halten Sie das gegen einen Handels- oder Gewerbelehrberuf, und der Unterschied im ersten Lehrjahr springt ins Auge – die Bank liegt spürbar darüber. Ein Punkt, den bei der Entscheidung kaum jemand auf dem Zettel hat, den man aber haben sollte.
Nach der Matura fühlt sich eine klassische Lehre für viele wie ein Rückschritt an. Muss sie nicht sein. Die Wirtschaftskammer bietet mit der Dualen Akademie „Banking & Finance“ ein eigenes Modell für Maturant:innen, Studienabbrecher:innen und Umsteiger:innen. Je nach Schwerpunkt zwei bis drei Jahre, dichter getaktet: rund 70 Prozent im Betrieb, etwa 20 Prozent in speziellen Berufsschulklassen für Absolvent:innen, dazu rund 10 Prozent Zukunftskompetenzen in Erwachsenenbildungseinrichtungen. Ein Auslandsaufenthalt ist eingeplant. Und nach einem Jahr Praxis lässt sich die Zertifizierung zum „DA Professional“ draufsetzen. Sie bekommen denselben Lehrabschluss – nur eben in einem Format, das Sie nicht wie einen frischen Pflichtschulabgänger behandelt.
Die eigentlich spannende Frage kommt aber danach: Was bringt der Einstieg? Wer fertig ist, landet meist in der Kundenbetreuung – und genau dort zahlt sich die Ausbildung aus. Nach unserer eigenen Auswertung der aktuell auf bankkarriere.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 02.07.2026) liegt das Einstiegsgehalt im Bereich Vertrieb und Kundenbetreuung bei einem Median von 3.198 Euro, mit einer mittleren Bandbreite von 2.890 bis 3.928 Euro. Über alle Fachgebiete hinweg sind es 3.357 Euro im Median.
Der Standort redet dabei kräftig mit. Wien: 3.720 Euro Median bei den ausgeschriebenen Stellen. Linz: 3.571 Euro. Salzburg: 3.321 Euro. Wer beim Arbeitsort flexibel ist, holt darüber oft mehr heraus als über die ersten paar Berufsjahre.
Noch ein ehrliches Wort. Die Lehre ist kein Deckel, sie ist die Eintrittskarte. Ob Sie in der Filiale bleiben, ins Private Banking wechseln oder Richtung Risiko und Controlling gehen, entscheidet sich erst später – und dort ziehen die Gehälter deutlich an. Der erste Schritt aber ist mit 15 drin. Nicht erst mit dem Bachelor in der Tasche.
