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Leasing

Zehn Milliarden Neugeschäft, aber kein Bankgeschäft: Wer im Leasing arbeitet – und was der Job zahlt

Anna-Maria Inzinger
03. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit
Zehn Milliarden Neugeschäft, aber kein Bankgeschäft: Wer im Leasing arbeitet – und was der Job zahlt

Fast jedes zweite Firmenauto und ein Gutteil der Baumaschinen im Land laufen über einen Leasingvertrag. 2025 hat die österreichische Leasingbranche knapp zehn Milliarden Euro Neugeschäft geschrieben – Rekord. Dahinter steckt ein eigener Arbeitsmarkt, der weder ganz Bank noch ganz Handel ist. Und ein Job, den das Bankwesengesetz bewusst nicht als Bankgeschäft führt.

Was die Branche 2025 bewegt hat

Die Zahlen kommen vom Verband Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL). Das inländische Neugeschäft lag 2025 bei 9,979 Milliarden Euro, verteilt auf 300.836 neue Verträge – ein Plus von 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Vertragsbestand summiert sich auf rund 28,6 Milliarden Euro und 886.108 laufende Verträge.

Ein Segment dominiert klar. Das Kfz-Leasing steht allein für 7,368 Milliarden Euro und 262.637 Neuverträge. Knapp 60 Prozent aller neu zugelassenen Autos wurden 2025 geleast statt gekauft. Mobilienleasing (Maschinen, IT, Anlagen) bringt 1,614 Milliarden, das Flottenmanagement 1,161 Milliarden. Immobilienleasing ist mit 193,61 Millionen Euro und nur 34 Verträgen die kleine, aber volumenintensive Nische. Wer sich für die Branche interessiert, sollte wissen: Der Motor ist das Auto.

Die Rollen hinter dem Vertrag

Eine Leasinggesellschaft ist im Kern eine Finanzierungsfabrik mit vier Werkbänken. Sie überschneiden sich in kleinen Häusern, in großen sind es getrennte Abteilungen:

  • Vertrieb und Objektfinanzierung: Kundenkontakt, oft über Kooperationen mit Autohäusern und Herstellern – das sogenannte Vendor-Leasing, bei dem der Vertrag direkt am Verkaufsort entsteht.
  • Bonitäts- und Kreditprüfung: Wie in der Bank-Marktfolge wird die Zahlungsfähigkeit beurteilt. Hier sitzt das Kreditrisiko der Gesellschaft.
  • Restwertkalkulation und Verwertung: Die unterschätzte Spezialistenrolle. Wer den Restwert eines Fahrzeugs oder einer Maschine falsch ansetzt, kostet das Haus bei der Rückgabe Geld. Nach Vertragsende wird das Objekt wiedervermarktet.
  • Vertragsverwaltung und Forderungsmanagement: Abrechnung, Laufzeitänderungen, Mahnwesen über die gesamte Vertragsdauer.

Das erklärt, warum Objektwissen hier bares Geld wert ist. Wer Autos, Anlagen oder Immobilien technisch beurteilen kann, hat in der Restwert- und Verwertungsschiene einen Vorsprung, den ein reiner Zahlenmensch nicht mitbringt.

Warum das kein Bankgeschäft ist – und was das bedeutet

Ein Detail, das viele überrascht: Finanzierungsleasing ist in Österreich kein konzessionspflichtiges Bankgeschäft. Es steht nicht im Katalog des § 1 Abs. 1 BWG. Eine reine Leasinggesellschaft gilt als Finanzinstitut, nicht als Kreditinstitut – braucht also keine Bankkonzession, um Verträge zu schreiben.

Der Kontrast dazu ist scharf. Factoring, der Ankauf von Forderungen samt Ausfallrisiko und Einzug, ist in § 1 Abs. 1 Z 16 BWG ausdrücklich als Bankgeschäft gelistet. Wer gewerblich Forderungen ankauft, braucht eine Bankkonzession der FMA. Wer Autos verleast, nicht. In der Praxis sind viele große Leasinghäuser trotzdem Töchter von Banken und werden über den Konzern beaufsichtigt. Für den Arbeitsalltag heißt das: näher am Objekt und am Vertrieb, ohne das volle bankaufsichtsrechtliche Korsett des klassischen Kreditgeschäfts. Die OeNB führt für den Sektor eine eigene Statistik zu Factoring und Finanzierungsleasing.

Einstieg und Gehalt

Einen eigenen gesetzlichen Ausbildungsweg gibt es nicht. Der Einstieg läuft über eine kaufmännische Basis – HAK, Lehre, ein BWL- oder Finanzstudium – und häufig über den Quereinstieg. Aus der Bank kommen die Kreditprüfer, aus dem Kfz-Handel die Vertriebs- und Verwertungsleute. Man wächst in die Sparte hinein.

Zum Verdienst: In unserer eigenen Auswertung der aktuell auf bankkarriere.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 02.07.2026) liegt das Fachgebiet Finanzierung, Kredit und Leasing bei einem Median von 3.375 Euro brutto, mit einer mittleren Bandbreite von 3.000 bis 4.285 Euro (54 Stellen). Vertriebslastige Rollen orientieren sich eher an Vertrieb und Kundenbetreuung (Median 3.208 Euro). Wer in die Kreditrisiko-Seite geht, findet das Upside im Risikomanagement, dem bestbezahlten Feld der Branche (Median 4.052 Euro). Der Standort schiebt kräftig: In Wien liegt der Gesamtmedian bei 3.710 Euro.

Ein letzter, konkreter Tipp für die Jobsuche: Achten Sie auf die Restwert- und Remarketing-Teams. Solange fast 60 Prozent der Neuwagen geleast werden, entscheidet sich die Marge dieser Häuser nicht beim Vertragsabschluss, sondern bei der Rückgabe – und genau dort sind Fachleute rar.

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Quellen

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